intent/frame 1: dossier

Künstlerische Leitung, Konzept
Saskia Hölbling
Tanz, Choreografie
Saskia Hölbling
Heide Kinzelhofer
Max Steiner
Andrea Stotter
David Subal
Licht
Krisha
Bühne
David Subal


im fortschritt ein niederlassen – transparente liegestätten – flexibilität des neuen nomadentums – filtriert gelebte nützlichkeit in regeln – etwas zum anhalten – funktionelles design – fortlauf der zeit – ins gespräch gekommen – effizienter austausch an zuordnungen – codes – bei sich bleibendes scheitern – wieder durchquert – differenzierung an der oberfläche – andocken, festhalten, abgleiten – anstoßen, vorüberstreifen, abrutschen – wiederholt durchlaufen – aufprallen, anschlagen, durchstoßen – zuführen, anlehnen, ergreifen – weiter fort – fassaden geformt – durchdrungen in ein ungeordnetes – fortschreiten – vernetzt zu sich gewandt – umraum einer transparenten nomadenkultur – der inhalt ihre bausteine

„in.tent/fame 1“ beschäftigt sich mit dem, was ich das nenne. Es ist eine Reflexion über die Vorstellung von Effizienz, Transparenz und Flexibilität, eine Beschäftigung mit den Worten von heute, die – ihrer Bedeutung beraubt – reine Fassaden geworden sind.
Umgeben von kleinen Inseln, die eine kurze Rast erlauben, so wie transparente Zelte, provisorische Räume und einige Konstruktionen aus Metall, an die man sich anlehnen kann, bewegen sich die Menschen weiter. Sie leben ihr Leben. Seite an Seite, manchmal im Gespräch miteinander, funktionell in einer entworfenen Welt, effizient, transparent genug um an der Oberfläche zu kommunizieren und flexibel genug um von einem Meeting zum nächsten zu springen, weiterzumachen, ihr Image in einer Welt voll möglicher Identitäten zu kultivieren und zu verstärken.
Verlust der Intimität, Verlust der Individualität. Zu viele mögliche Pflichten. Zu gut geschult in der Kunst des „Scheinens“ und der Darstellung.
Der Wunsch lebt noch immer, doch konfrontiert mit dem eigenen inneren Versagens, der Unfähigkeit, die Oberflächen zu verlassen.

Die Arbeitsweise des Ensembles DANS.KIAS basiert auf diesen Beobachtungen, sie basiert auf dem schnellen Erfassen, Darstellen und Zurückweisen von Gedanken zu konkreten körperlichen und geistigen Zuständen als Metapher für die multiplen Identitäten und Aufgaben.

Ich nannte die entwickelten Stadien „Küche“ (für jeden Tag), „Plaudern“, „Zusammenstoß“ (Begegnungen mit dem Wunsch, über die Oberfläche hinauszugehen) und „Funktionalität“ (Zusammenarbeit für ein Maximum an Effizienz).
Das Bewegungsmaterial wurde in einem langen Prozess der Improvisation entwickelt und bleibt auch während des Stückes improvisiert – gefangen in einem stark strukturierten Netzwerk. Aber das meiste davon ist geschrieben (festgeschrieben).



Umgesetzt mit dem Prix d’auteur du Conseil général de la Seine-Saint-Denis/Frankreich (Rencontres chorégraphiques internationales 2000).

Subventioniert durch die Stadt Wien.