intent/frame 1: reviews

Kurier

Wer sich auf die Stimmung einlässt, die Saskia Hölbling und ihr Ensemble DANS.KIAS im Künstlerhaus erzeugen, mag am Ende tief bewegt gar nicht weggehen. Tiefe Gefühle kriechen während der knappen Stunde, die in „in.tent//frame 1“ dauert, aus den Gemütern mancher Zuschauer sichtbar an die Oberfläche. Von den Oberflächen handelt auch die theatralische Auseinandersetzung, die Hölbling auf einem Bühnenrechteck zeigt. Durchsichtige Zelte stehen da, Haltegriffe wie in U-Bahnen sind installiert. Modisch gestylte Menschen bewegen sich dazwischen. Zwischen den Einzelnen läuft nichts, sie berühren einander, stoßen am anderen an. Wirkliche Kontaktaufnahme aber bleibt aus. Ein wichtiger dramaturgischer Aspekt an diesem Abend, der mit stark reduzierter, aber gehaltvoller Bewegung auskommt, ist die sehr geschickt arrangierte Musik: Zwischen den poetischen Liedern vermittelt eine mehrmals eingesetzte Geräuschzone die Ausweglosigkeit solchen Daseins.   
     
Andrea Amort


an.schläge

Nomadinnen, die von Beziehung zu Beziehung und zwischen Männern und Frauen hin und her ziehen – privilegierte postmoderne Beziehungs-Hybridität: Die dazugehörige Bewegung im Stück ist ein Arm um eine Schulter gelegt, der gleichzeitig eine Person hält und trotzdem in die Ferne deutet. „in.tent//frame1“ erinnert an ein Liebesphänomen in Jugoslawien vor dem Krieg, genannt Pik Dame. Der kommende Krieg war schon zu spüren, die Menschen überdreht und einsam, gierig nach Nähe. Pik Dame bedeutete, mit einem Menschen ab dem Moment der Begegnung, ununterbrochen zusammen zu sein, quasi ohne Luftholen ein paar Tage bis Wochen zu verbringen, bis zum bitteren Ende. Dann folgt die Enttäuschung und – wie im Stück – die nächste Pik Dame...

Kerstin Kellermann