secret sight: reviews

tanz.at

Zwei nackte Frauenkörper liegen regungslos auf der weißen Bühne. Aus der Perspektive der Tribünensitze sehen sie seltsam verzerrt aus, verlieren Individualität, Geschlecht und Menschlichkeit, werden zu Zeichen auf dem Boden. Die beiden Körper erheben sich, treten an den Rand; als selbstvergessen Marionetten kleiden sich die beiden Frauen ganz in Schwarz. Der männliche Körper, ebenfalls in Schwarz gehüllt, tritt hinzu: Saskia Hölblings neue Choreografie „secret sight“ erwacht zum Leben.

In Solos, Trios und Duos bewegen sich die Körper zum Geräuschteppich von Heinz Ditsch in genau ausgeklügelter Geometrie, Schwarz auf dem weißen Untergrund. Einprägsame Farbeffekte entstehen im wechselnden Licht, wenn Stephen Thompson das Oberteil und Moravia Naranjo die lange schwarzen Hose ablegt. Im innigen Duett wird für einen Moment das Zeichenhafte der Körper durch menschliche Individualität ersetzt. Eine Augenblicksbeziehung entsteht auf der Bühne, eine Kurzgeschichte im Kopf der Zuschauer. Währenddessen setzt die dritte Performerin, Choreografin Saskia Hölbling neue Akzente, die schwarzen Shirts im weißen Geviert. Raum, Bewegung, Geräusch, Licht, Farben bilden ein Spannungsfeld, dem sich die Betrachter nicht entziehen können.

Zu sehen ist eine spannende, bewegte Darstellung dreier Körper, die sich in scheinbarer Logik mathematischer Formeln auf einander zu, voneinander weg und in sich selbst bewegen. Es tanzen Saskia Hölbling, Moravia Naranjo und Stephen Thompson.

Ditta Rudle


Wiener Zeitung

Unter der Prämisse, Tanz als eine Form des Denkens aufzufassen, erforscht die bekannte Wiener Choreografin Saskia Hölbling in ihrem neuesten Projekt „secret sight“ die Ausdrucksmöglichkeiten des menschlichen Körpers.

Hölbling geht es nicht darum, Gefühle oder Inhalte zu transportieren, sondern die Tänzer in ein Verhältnis zum Raum und zur Musik (Heinz Ditsch) zu bringen. Abstrakt und körperlich zugleich komponiert sie Bewegungen, die nichts Spontanes und nichts Emotionales haben. Saskia Hölbling, Moravia Naranjo und Stephen Thompson agieren mit äußerster Konzentration, die sich im Laufe der knappen Stunde, die „secret sight“ dauert, auch auf das Publikum überträgt.

Brigitte Suchan


Die Presse

In ihrem neuen Stück „secret sight“ schreiben sich drei Körper wie Zeichen in die weiße Bühnenfläche, „ beschreiben die leere Seite “. Mit Bewegungen, die nur ein Werden zum Ziel haben und nichts darüber hinaus bedeuten oder erzählen wollen.

Die Tänzer falten ihre Kleidung in einem strengen Zeremoniell zusammen, später wieder auseinander, ziehen sich an, um dieser fremden Haut gleich wieder zu entsteigen.

Isabella Wallnöfer